Die Nazi-Karte, gezogen von der AfD

AfD-Politiker Bernd Baumann zieht die Nazi-Karte – und das bei der ersten AfD-Rede im Deutschen Bundestag. Damit hat er mit Sicherheit mindestens seine Basis überzeugt. In seiner Rede kritisiert Baumann die am Ende der vorherigen Legislaturperiode getroffene Entscheidung, den Alterspräsidenten nicht mehr nach Lebens-, sondern nach Dienstjahren zu bestimmen. Mit dem Ziel, dass nicht ein AfD-Abgeordneter die erste Sitzung eröffnen darf.

„Nur 1933 hat Hermann Göring die Regel gebrochen, weil er den politischen Gegner ausgrenzen wollte. Wollen sie sich auf solch schiefe Bahn begeben? Kommen sie zurück auf die Linie der deutschen Demokraten”, betont Baumann. Eine rhetorisch richtig gut vorbereitete Rede, bei der Baumann vom regelmäßigen Applaus seiner Parteimitglieder unterstützt wird. Mehr noch: Der Politiker geht in seiner Rede auch auf die Presseberichte ein, laut deren diese Entscheidung „kein gutes Licht auf die parlamentarische Kultur in Deutschland“ (Fokus) werfe. Und das, obwohl die Presse „nicht mehrheitlich der AfD gewogen ist“, so Baumann.

Geschickt nimmt er Elemente aus der deutschen Geschichte und Tradition als unterstützende Argumente für seinen Standpunkt.

Wiederholungen und Abschluss

„Wie groß? Wie groß muss die Angst vor der AfD sein?“ wiederholt Baumann. Das Sahnehäubchen auf der Torte stellt der Schluss der Rede dar: In nur einem Satz zählt Baumann alle Themen auf, die seiner Partei wichtig sind. „Von dieser Stunde an werden hier Themen neu verhandelt. … künftig auch über Euro, gigantische Schuldenaufnahmen, gigantische Einwanderungszahlen, offene Grenzen und immer brutalere Krimialität auf unseren Straßen, meine Damen und Herren“, sagt Baumann.

Was kannst Du daraus für Deine eigenen Präsentationen mitnehmen?

  1. Benutze Analogien, auch solche aus der Geschichte Deines Landes.
  2. Mach verbales Judo und nimm einen Vorwurf, der Dir oft gemacht wird und dreh ihn um.
  3. Sorge dafür, dass Du im Publikum Personen hast, die dich unterstützen.
  4. Fasse in einem letzten Satz alles nochmals zusammen.

Hier geht es zum Video in dem Bernd Baumann, AfD, die Nazi-Karte zieht.

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Light a candle for a change

Weihnachten – einmal besonders besinnlich

Ein gelungenes Weihnachtsfest umfasst für die meisten von uns ganz viele Elemente: das spezielle Essen, die passende Dekoration, die festliche Musik, die schöne Kleidung, die geladenen Gäste, die besinnlichen Geschichten … Womit wir auch schon beim Thema dieses Beitrags sind: besinnliche Geschichten.

Auch eine besinnliche Geschichte braucht mehrere Elemente, damit sie gut ankommt. Eines der Elemente, das meines Erachtens nicht vergessen werden sollte, ist die Beleuchtung. Wie wäre es, wenn Du dieses Jahr

  1. eine Geschichte erzählen und
  2. vor Beginn das gewöhnliche Licht durch Kerzenlicht ersetzten würdest?

Das Kerzenlicht wird Deiner Geschichte eine ganz spezielle, besinnliche Stimmung bescheren.

Die Beleuchtung ist übrigens auch bei Geschäftspräsentationen oft ein (vernachlässigtes) Thema. Eben wieder gesehen: Der Referent hat die Beleuchtung der Leinwand angelassen, so dass die Folien kaum lesbar waren. Das hat zwar nichts mit Besinnlichkeit zu tun, aber damit, dass die Botschaft je nach Beleuchtung mehr oder weniger gut ankommt.

In diesem Sinn wünsche ich Dir und Deinen Liebsten eine besinnliche und frohe Weichnacht und einen fantastischen Rutsch ins Neue Jahr.

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Jedes Kind braucht ein Vorbild.

Rita F. Pierson legt in einem TED-Vortrag dar, dass jedes Kind ein Vorbild braucht. Sie selbst kommt aus einer Familie von Lehrern. Dass dem so ist, macht sie gleich im ersten Satz klar. Und stellt damit einen persönlichen Bezug zum Thema her. Der Einleitungssatz enthält gleich drei Mal das Wort «Schulhaus». Das wirkt nicht nur witzig, sondern etabliert sie auch gleich als Expertin. Es gibt ihr Glaubwürdigkeit. Insbesondere ihr realitätsbezogener Humor lässt den Funken auf ihre Zuhörer überspringen.

Sie knüpft auch an die Erfahrungen der Zuhörer an, wenn Sie Kernsätze sagt, wie: «Kinder lernen nicht von Leuten, die sie nicht leiden können“. Entsprechend wichtig sind Beziehungen. Leider werde das in der Schule nur allzu oft vergessen. Vermutlich pflichtet ihr jeder im Publikum bei.

Sie unterstreicht die Behauptung mit zwei Zitaten. Eines von James Comer: „Kein signifikantes Lernen kann ohne eine signifikante Beziehung auftreten“ und eines von George Washington-Carver: „Alles Lernen ist das Verstehen von Beziehungen“. Etwas später nimmt sie das Thema Beziehungen wieder auf und schildert ein ergreifendes persönliches Beispiel von der Beerdigung ihrer Mutter.

In ihrem Vortrag setzt sie auch die direkte Rede ein. Sie erzählt von einem Schüler, der nur 2 von 20 Aufgaben richtig gelöst hat. Sie spielt die Szene nach. Dabei imitiert sie die Stimme des Schülers und überzeichnet ihren Gesichtsausdruck.  Sie schafft es dadurch, trotz oder gerade wegen der miserablen Leistung des Schülers, das Publikum zum Lachen zu bringen, ohne den Schüler bloss zu stellen. Das ist sehr witzig und macht das Publikum empfänglich für ihre Botschaft.

Es ist gar nicht so schwierig, Piersons Redetechniken in deinem eigenen Vortrag anzuwenden. Hier eine Auswahl von drei Techniken, die sie in ihrer Rede eingesetzt hat.

  1. Formuliere einen ersten Satz, der nicht nur witzig ist, sondern auch gleich Deine Glaubwürdigkeit stärkt.
  2. Unterstreiche Deine Aussagen mit Zitate von bekannten Menschen.
  3. Spiele Szenen aus dem echten Leben nach u.a. in dem Du direkte Rede einsetzest.

Hier geht es zum Video von Rita Pierson. Das Video ist etwa 8 Minuten lang. Sehr inspirierend.

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Wutrede von Christian Lindner

Überzeugend präsentieren und das Publikum mitreissen: Das kann nicht jeder. Insbesondere Führungskräfte sollten die Kommunikationsfähigkeiten besitzen, die das Publikum fesseln und vor allem von den eigenen Worten überzeugen. Der deutsche FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner beweist in der folgenden Aufnahme, wie man sich rhetorische Elemente zu Nutzen machen kann.

Sichtbar irritiert über den Zwischenruf eines Kollegen von der SPD, reagiert Lindner energisch. Er nimmt die Worte des Zwischenrufers noch einmal auf, spricht diesen, aber auch dessen Parteikollegin, die Ministerpräsidentin, direkt an, wiederholt viele Aussagen, lässt nichts ungehört, schaltet Pausen ein, damit die Zuhörer das Gesagte verdauen können. Besonders überzeugend wirken seine Argumente, wenn er sie durch Gesten ergänzt. Ab Minute 1:40 beispielsweise hebt er unaufhörlich den rechten Arm und gibt mit seinem Arm den Takt an. Eine faszinierende Verstärkung seiner Aussage.

„Da haben Sie einen.“ und „Ich sag´ Ihnen noch eins“: Sätze, die er gleich dreimal wiederholt, um zum Schluss noch einmal zu punkten. Definitiv Wortmeldungen, von denen man lernen.

Auch Du kannst die beschriebenen Techniken einsetzen. Weshalb nicht mal an Deiner nächsten Präsentation?

  1. Sprich energisch.
  2. Wiederhole Sätze, die im Applaus oder Lärm unterzugehen drohen oder die dir besonders wichtig sind. Das kann auch zu Beginn einer Präsentation eine nützliche Technik sein, wenn einige Teilnehmer im Publikum noch miteinander sprechen.
  3. Beziehe Dich auf Inhalte, die vorher schon mal erwähnt wurden.
  4. Gib bei wichtigen Aussagen mit dem Arm den Takt an.

Hier geht es zum Video von Christian Lindner. Das Video dauert nur 2:45 Minuten. Schau es Dir an. Es lohnt sich.

«Wie erkläre ich’s meinem Kind?»

Datensicherheit erklärt am Beispiel eines Einkaufs in einer Bäckerei«Wie erkläre ich’s meinem Kind?» Vor dieser Herausforderung stehe ich nicht nur bei meinen eigenen Kindern, sondern oft auch bei Erwachsenen. Wenn es Dir auch manchmal so geht, dann empfehle ich Dir das folgende kurze Video. Es macht auf das Thema Datensicherheit aufmerksam. Wahrscheinlich ein Thema, das viele für super langweilig halten. Von der Stiftung Warentest wurde es aber meines Erachtens so gut aufbereitet, dass es die Botschaft ganz fantastisch darstellt.

Im Video sehen wir eine Alltagssituation in der Bäckerei. Kunden kaufen Backwaren. Die Verkäuferin stellt aussergewöhnliche Fragen. Die Kunden sind irritiert – meines Erachtens zu Recht. Dank dem Wechsel des Rahmens (Re-Framing) werden uns die Augen geöffnet: Bei einer App (und online) geben wir unsere Daten ganz selbstverständlich heraus, was wir in der realen Welt niemals tun würden.

Das Video ist meines Erachtens aus vielen Gründen gut. Insbesondere aber deswegen:

  1. Titel: «Wenn die Verkäuferin eine App wäre. (Versteckte Kamera)»
  2. Erst wird neugierig gemacht, dann folgt die Auflösung.
  3. Es wird an eine uns bekannte Situation angeknüpft: der Einkauf in der Bäckerei.

Zum ersten Punkt: Der Titel macht neugierig. Die hypothetische Vorstellung, dass eine Verkäuferin eine App sein könnte, macht schon neugierig. Das wird noch getoppt mit den beiden Worten in der Klammer: «versteckte Kamera». Wer schon einmal eine Sendung mit versteckter Kamera gesehen hat, wird damit endgültig in den Bann gezogen.

Zum zweiten Grund: Erst bei Sekunde 57 und bei 1 Minute 23 kommen die springenden Punkte: Die Kernfrage «Wären Sie damit in der realen Welt einverstanden?» und die Kernaussage «Facebook etc.  … haben Zugang zu Ihren Kontakten, Ihrem Kalender, SMS, Fotos und GPS.» Diese Offenbarung erfolgt erst fast zum Schluss. Mit gutem Grund. Kämen die Kernfrage und die Kernaussage gleich zu Beginn, wäre das Video ungemein langweiliger. Genauso sollte ein guter Einstieg in eine Präsentation sein.

Der dritte Punkt zeigt, dass je vertrauter uns eine Situation ist, desto besser funktioniert die Analogie. Denn von einer vertrauten Situation auf eine andere zu schliessen, fällt uns meist leicht. In diesem Fall macht die Analogie des Einkaufs in der realen Welt sonnenklar, wie anders oder besser gesagt absurd wir uns in der virtuellen Welt verhalten. Auf einmal scheint uns Datensicherheit überhaupt nicht wichtig.

Auch Du kannst die beschriebenen Techniken einsetzen. Weshalb nicht mal bei Deiner nächsten Präsentation? Dann verstehen es auch Deine Kinder.

Hier geht es zum Video von Stiftung Warentest. Das Video dauert nur 2 Minuten. Schaue es Dir an. Es lohnt sich.

Die Analogie: ein starkes rhetorisches Mittel

Barack ObamaDie Analogie ist ein besonders starkes rhetorisches Mittel. Sie erlaubt oft, einen Sachverhalt viel klarer darzustellen, als wenn man es direkt täte. Es braucht manchmal ein wenig Aufwand um eine gute Analogie zu finden. Wer sich aber die Zeit nimmt, ist im Vorteil. Hier ein Beispiel.

„Stellen Sie sich vor: Sie gehen zum Arzt, nein, besser, Sie gehen zu 100 Ärzten und 99 von ihnen stellen die Diagnose «Diabetes». 99 Ärzte sagen Ihnen also, Sie sind zuckerkrank und sollten daher keinen Speck und keine Donuts mehr essen. Was sagen Sie dann? Sie sagen: «Das ist eine Verschwörung! 99 Ärzte haben sich mit Obama zusammengesetzt und wollen mich davon abhalten Speck und Donuts zu essen!» [Pause] Das würden Sie so nie sagen! Genau so ist es mit dem Klimawandel …“

Die Worte stammen vom Ex-Präsidenten der USA, Barack Obama, der in seiner Rede die Stellung einiger Republikaner zum Klimawandel und zum Vertrag von Paris kritisiert. Die Analogie überzeugt und ist mit Humor vorgetragen. Das muss man sich im Original ansehen und anhören.

Hier geht es zum Video. (Es dauert weniger als 2 Minuten.)

Wie immer: Übung macht den Meister. Nur wenn Sie sich die Mühe machen, die Tipps umzusetzen, haben Sie die Chance, eine gute Rede zu halten.

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Günter Pauli

Interaktion mit dem Publikum: Aufstehen

Das oberste Gebot der Rhetorik lautet: “Du darfst nicht langweilen!” Denn das führt schon mal dazu, dass das Publikum einschläft. Um dem entgegenzuwirken, lohnt sich eine Interaktion mit dem Publikum.

Gunter Pauli: Interaktion mit dem PublikumManche Situationen sind einfacher als andere, um die Zuhörer bei der Stange zu halten. Gerade bei steigenden Temperaturen – derzeit ist es bei mir im Büro fast 30 Grad – und bei sich-in-die-Länge-ziehenden-Sitzungsmarathons kann es schon mal sehr schwierig sein die Zuhörer und Sitzungsteilnehmer soweit zu kriegen, dass sie (weiterhin) die Ohren spitzen. Karem Albash, ein Kollege aus der GSA, hat mich auf ein schönes Video auf YouTube aufmerksam gemacht, in dem diese Problematik meisterhaft gelöst wird. Es ist ein Videoausschnitt aus dem Entrepreneurship Summit 2014 in Berlin. Auch wenn dieser Anlass schon ein wenig zurück liegt, kann meines Erachtens jeder etwas daraus lernen.

Im Video sehen wir Gunter Pauli, Unternehmer und Designer und Mitgründer von The Blue Economy. Er ist einer von vielen Rednern. Was macht Gunter Pauli, damit das Publikum wieder aufwacht?

  1. Gunter Pauli ist bester Laune.
  2. Er sprüht vor Energie.
  3. Er tritt in Interaktion mit dem Publikum.

Insbesondere finde ich den dritten Punkt erwähnenswert. Auch wenn natürlich die ersten beiden Punkte Voraussetzung dafür sind, dass der dritte Punkt erfolgreich sein kann. Nämlich: Er bringt das Publikum dazu aufzustehen. Im ersten Moment scheint es ihm noch nicht mit allen Zuschauern zu gelingen. Er gibt aber nicht auf: Er insistiert. Das Publikum scheint ihm zu folgen. Zumal er ja zu einem späteren Zeitpunkt das Publikum dazu auffordern muss, sich wieder hinzusetzen. Akustisch nehmen wir wahr, dass das Publikum Spass hat mitzumachen. Ja, oft ist es so: das Publikum will Spass haben oder mindestens gut unterhalten werden. Eben keine Langeweile. Wie eingangs beim obersten Gebot der Rhetorik erwähnt. Und genau hierzu ist eine Interaktion mit dem Publikum ideal.

Ausserdem ist der dritte Punkt deshalb interessant, weil er dem Publikum hilft einen anderen Standpunkt einzunehmen. Das trägt dazu bei, dass das Publikum bereit ist, neue Gedankengänge zu gehen.

Weshalb nicht selber mal in einer Sitzung oder bei einer Konferenz das Publikum dazu auffordern aufzustehen, sich zu strecken und sich zu bewegen?

Hier geht es zum Video von und mit Gunter Pauli

Die Sequenz dauert nur 40 Sekunden (00:07 – 00:47). Schaue Sie Dir an.

Wie immer: Übung macht den Meister. Nur wenn Sie sich die Mühe machen, die Tipps umzusetzen, haben Sie die Chance eine gute Dankesrede zu halten.

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Die richtige Kopfstellung: Rhetorik-Tipp zur Körpersprache

Die richtige Kopfstellung entscheidet über Chef oder Untertan. Die richtige Kopfstellung beeinflusst, ob Du von Deinem Publikum als selbstsicher oder unterwürfig wahrgenommen wirst. Ähnlich wie im Tierreich. Im Video „Unterwirf Dich nicht unnötig“ siehst Du wie Du es machen und lassen sollst.

Die richtige Kopfstellung

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Wie immer: Übung macht den Meister. Nur wenn Du den Tipp zu Herzen nimmst, wird es Deinem Publikum beim nächsten Mal leichter fallen Dir seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Einen weiteren Tipp zur Körpersprache findest Du hier.

Falls Du regelmässig die wichtigsten Tipps und Tricks für Deine Präsentationen haben möchtest, dann schreibe Dich in unseren Trainingletter ein.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Thomas Skipwith

P.S.: Weitere Tipps zu überzeugenden Präsentationen gibt es im Buch “Der Wurm muss dem Fisch schmecken“.

Schweizer reden schlecht. Warum?

Schweizer reden schlechtSchweizer reden schlecht. Stimmt das? Wenn es darum geht herausragende Redner zu nennen sind Schweizer praktisch nie dabei. Wenn es um ein schlechtes Beispiel geht, dann schon: Ein Schweizer Redner der Berühmtheit erlangt hat war Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. Seine Rede mit dem Thema Humor zum Tag der Kranken 2016 war so humorlos, dass er es ins französische (Canal+) und amerikanische Fernsehen gebracht (Last Week Tonight) hat. Wer die Rede nicht gesehen hat, sollte sie sich auf Youtube anschauen.

Woran kann es liegen, dass Schweizer grossmehrheitlich schlechte Redner sind? Es gibt keine handfesten Beweise. Allerdings gibt es meines Erachtens viele plausible Erklärungen dafür. Eine Spurensuche:

  1. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. In der Schule wird zu wenig für die rhetorischen Fähigkeiten der Schüler getan. Möglicherweise deshalb, weil die Lehrer selbst in diesem Fach ebenfalls nicht besonders stark auf der Brust sind.
  2. Die Schweizer haben kaum einheimische Vorbilder. Es gibt niemanden wie einen Barack Obama oder Helmut Schmidt. Ganz im Gegenteil: die meisten Präsentationen und Reden machen einem Valium in seiner einschläfernden Wirkung Konkurrenz.
  3. Die mentale Einstellung vieler Schweizer ist falsch. Sie glauben die Gabe des Wortes nicht zu haben. Dieses Selbstverständnis trägt nicht dazu bei besser zu werden.
  4. Die Schweizer haben einen sprachlichen Nachteil. Der Volksmund sagt: «Schweizerdeutsch ist keine Sprache, sondern eine Halskrankheit.» Die Schweizer lernen erst den Dialekt, dann eine oder mehrere Fremdsprachen. Das gereicht ihnen zwar einerseits zum Vorteil, andererseits führt das aber auch dazu, dass ihre fremdsprachige Eloquenz meistens nicht besonders ausgeprägt ist. Denn jede Sprache hat seine Eigenheiten. Bereits Hochdeutsch und Schweizerdeutsch haben unterschiedliche Ausdrücke, Grammatik und Redewendungen. Ganz zu schweigen von anderen Sprachen wie Französisch, Englisch oder Italienisch.
  5. In der Schweiz herrscht eine Null-Fehler-Kultur. Dies zeichnet zwar Dienstleistungen und Produkte aus, im sprachlichen Ausdruck aber verleitet das viele dazu lieber nichts zu sagen als etwas mit Fehlern. Dies zeigt sich an Redewendungen wie: “Ned lafere, sondern liefere.” Übersetzt: «Arbeiten, nicht quasseln!”
  6. Ein guter Redner erhält bei uns wenig Anerkennung. Meistens wird er eher verrissen, wenn er besonders gut spricht. Dies passiert insbesondere auch einem geschliffenen Redner aus dem nördlichen Nachbarland. Diesem empfehle ich dann mit Absicht ein paar Fehler einzubauen. Dadurch hebt er sich nicht zu stark von den Schweizer Zuhörern ab.
  7. Die Schweiz ist ein kleines Land. Es war immer und ist immer noch abhängig von den guten Beziehungen mit anderen Staaten. Einem kleinen Verhandlungspartner steht es meistens besser an leise zu treten. Das wiederum zeichnet auch die Schweizer Diplomatie aus. Entsprechend haben sich keine grossen Redner hervorgetan. Dies fängt schon an bei der Wahl von Bundesräten im Parlament. Es werden vermutlich eher solche genommen, die nicht das Gleichgewicht im Bundesrat stören.
  8. Und jetzt vermutlich die umstrittenste These, weshalb die Schweizer schlechte Redner sind. Der Ruf der Rhetorik wurde im deutschsprachigen Raum während der Nazizeit fast komplett zerstört. Gute Rhetorik hatte lange Zeit die Konnotation des Rattenfängers. 70 Jahre später ist es besser geworden. Viele haben erkannt, dass eine gute Rede viel bewegen kann. Auch im positiven Sinn. Wie sonst kann ich alle fünf Sinne der Hörer ansprechen? Wie sonst kann ich sie emotional berühren? Wo sonst entsteht so viel Energie wie wenn viele Leute zusammenkommen, einer auf der Bühne steht und spricht?

Es gibt Mittel und Wege, wie jeder besser werden kann. Ein Anfang ist schon mal gemacht, wer sich mit den häufigsten Fehlern auseinandersetzt. So dass sich die These “Schweizer reden schlecht” verwandelt in “Schweizern höre ich gerne zu”.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Thomas Skipwith

Richtige Handstellung beim Präsentieren

In richtige Handstellung bei einer Präsentationdiesem Rhetorik-Tipp zur Körpersprache geht Thomas Skipwith auf die richtige Handstellung bei einer Präsentation ein. Und was es zu vermeiden gilt. Letzteres nennt er “Hundepfötchen”.

Hier kannst du Dir das kurze Video „Gib kein Pfötchen“ anschauen.

Wenn Dir der Tipp gefällt, dann teile ihn doch einfach in den sozialen Medien wie Facebook, XING und Co..

Wie immer: Übung macht den Meister. Nur wenn Du den Tipp zu Herzen nimmst, wird es Deinem Publikum beim nächsten Mal leichter fallen Dir seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Demnächst gibt es wieder eine neue Folge wie Du die Körpersprache für Präsentationen optimal einsetzen kannst. Falls Du das nicht verpassen willst und die wichtigsten Tipps und Tricks für Deine Präsentationen haben möchtest, dann schreibe Dich in unseren Trainingletter ein.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Thomas Skipwith

P.S.: Weitere Tipps zu überzeugenden Präsentationen gibt es im Buch “Der Wurm muss dem Fisch schmecken“.