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Feedback einholen

Feedback einholen: Methoden

Feedback einholenIm Blogbeitrag Üben und proben für die perfekte Präsentation habe ich über den Unterschied von Üben und Proben geschrieben. Beide helfen eine perfekte Präsentation zu halten. Darüber hinaus ist natürlich Feedback sehr wertvoll. In diesem Blogbeitrag erfährst Du mehr als fünf Ideen, wie Du besseres Feedback einholen kannst.

Selbstfeedback

Erst mal kannst Du Dir selber Feedback geben. Während Du Deine Präsentation hältst, wirst Du mit ziemlicher Sicherheit bereits Worte, Sätze oder ganze Passagen entdecken, die Du beibehalten und andere, die Du ändern willst. Du kannst ausserdem erkennen wie gut Du das Zeitmanagement im Griff hast. Ausserdem werden Dir möglicherweise logistische Herausforderungen auffallen.

Videofeedback

Verstärken kannst Du das Selbstfeedback, indem Du Dich selber auf Video aufnimmst. Nutze Dein Smartphone dafür. Das einzige was Du brauchst, ist ein Stativ.

Dich selbst auf Video anzuschauen behagt Dir nicht?

Zitat Feedback Smartphone Skipwith

«Schrecke nicht vor Videoaufnahmen zurück. Denn was Du dort hörst und siehst, mutest Du ja auch Deinem Publikum zu.» Thomas Skipwith

Eigenbild – Fremdbild

Nachdem Du Dein Eigenbild geprüft hast, empfiehlt es sich zu erfahren, wie es mit dem Fremdbild aussieht. Sehen andere die gleichen Stärken, die gleichen Verbesserungspotentiale? Sehen Sie etwas anderes?

Frage doch einen Kollegen aus der eigenen und aus einer anderen Abteilung, was sie von Deiner Präsentation halten. Selbstverständlich kannst Du einen professionellen Rhetorik-Coach befragen. Bei Präsentationen, die besonders wichtig sind, ist das sicherlich sinnvoll. Doch in vielen Fällen wirst Du bereits mit dem Feedback eines Kollegen wertvolle Rückmeldungen erhalten.

Feedback einholen: vorher und nachher

Bisher habe ich davon gesprochen wie Du Dich bereits vor Deinem Auftritt verbessern kannst. Selbstverständlich kannst Du diese Ideen auch nachher brauchen.

  1. Überlege Dir nach der Präsentation was Du wieder und was Du anders machen würdest.
  2. Besprich die Präsentation mit einem Kollegen. Was hat ihm gefallen, was nicht?
  3. Schau Dir die Videoaufnahme an, die Du mit dem Smartphone gemacht hast.

Feedback: Schriftlich ist empfehlenswert.

Feedback einholen schriftlich

Feedback erhalten von anderen ist so eine Sache. In vielen Fällen erhältst Du entweder gar kein Feedback (sondern nur ein leichtes Klopfen auf die Schulter), nur positives oder nur negatives Feedback. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Feedback-Prozess mündlich abläuft. Nach der Präsentation sind nämlich viele bereits verplant und eilen an die nächste Sitzung. In diesen Fällen reicht es gerade mal für ein kurzes Danke. Dann sind sie weg.

Hier greifen zwei Ideen:

  1. Du verabredest Dich bereits vor Deiner Präsentation mit jemandem, der sich danach noch ein bisschen Zeit für dich nimmt.
  2. Du drückst vor der Präsentation einem oder zwei deiner Zuhörer ein Blatt in die Hand auf dem steht: Bitte schreibe mir 2 Punkte auf, die dir gefallen haben und 2 Punkte, die ich hätte besser oder anders machen können.

Im letzteren Fall wirst du sowohl positives wie auch negatives Feedback erhalten. Das wird Deine Lernkurve dramatisch steigern.

Wenn Du Dich an diese Tipps hältst, wirst Du mehr aus Deinen Präsentationen herausholen. Ich wünsche Dir viel Erfolg.

 

P.S.: Falls Du (mal wieder) Feedback von einem Profi haben möchtest, dann schreibe Dich für eines meiner Rhetorik-Trainings ein. Das nächste intensive Rhetorik-Training ist am 6. und 7. Dezember in Zürich (Garantierte Durchführung).

«Wie erkläre ich’s meinem Kind?»

Datensicherheit erklärt am Beispiel eines Einkaufs in einer Bäckerei«Wie erkläre ich’s meinem Kind?» Vor dieser Herausforderung stehe ich nicht nur bei meinen eigenen Kindern, sondern oft auch bei Erwachsenen. Wenn es Dir auch manchmal so geht, dann empfehle ich Dir das folgende kurze Video. Es macht auf das Thema Datensicherheit aufmerksam. Wahrscheinlich ein Thema, das viele für super langweilig halten. Von der Stiftung Warentest wurde es aber meines Erachtens so gut aufbereitet, dass es die Botschaft ganz fantastisch darstellt.

Im Video sehen wir eine Alltagssituation in der Bäckerei. Kunden kaufen Backwaren. Die Verkäuferin stellt aussergewöhnliche Fragen. Die Kunden sind irritiert – meines Erachtens zu Recht. Dank dem Wechsel des Rahmens (Re-Framing) werden uns die Augen geöffnet: Bei einer App (und online) geben wir unsere Daten ganz selbstverständlich heraus, was wir in der realen Welt niemals tun würden.

Das Video ist meines Erachtens aus vielen Gründen gut. Insbesondere aber deswegen:

  1. Titel: «Wenn die Verkäuferin eine App wäre. (Versteckte Kamera)»
  2. Erst wird neugierig gemacht, dann folgt die Auflösung.
  3. Es wird an eine uns bekannte Situation angeknüpft: der Einkauf in der Bäckerei.

Zum ersten Punkt: Der Titel macht neugierig. Die hypothetische Vorstellung, dass eine Verkäuferin eine App sein könnte, macht schon neugierig. Das wird noch getoppt mit den beiden Worten in der Klammer: «versteckte Kamera». Wer schon einmal eine Sendung mit versteckter Kamera gesehen hat, wird damit endgültig in den Bann gezogen.

Zum zweiten Grund: Erst bei Sekunde 57 und bei 1 Minute 23 kommen die springenden Punkte: Die Kernfrage «Wären Sie damit in der realen Welt einverstanden?» und die Kernaussage «Facebook etc.  … haben Zugang zu Ihren Kontakten, Ihrem Kalender, SMS, Fotos und GPS.» Diese Offenbarung erfolgt erst fast zum Schluss. Mit gutem Grund. Kämen die Kernfrage und die Kernaussage gleich zu Beginn, wäre das Video ungemein langweiliger. Genauso sollte ein guter Einstieg in eine Präsentation sein.

Der dritte Punkt zeigt, dass je vertrauter uns eine Situation ist, desto besser funktioniert die Analogie. Denn von einer vertrauten Situation auf eine andere zu schliessen, fällt uns meist leicht. In diesem Fall macht die Analogie des Einkaufs in der realen Welt sonnenklar, wie anders oder besser gesagt absurd wir uns in der virtuellen Welt verhalten. Auf einmal scheint uns Datensicherheit überhaupt nicht wichtig.

Auch Du kannst die beschriebenen Techniken einsetzen. Weshalb nicht mal bei Deiner nächsten Präsentation? Dann verstehen es auch Deine Kinder.

Hier geht es zum Video von Stiftung Warentest. Das Video dauert nur 2 Minuten. Schaue es Dir an. Es lohnt sich.

Die Analogie: ein starkes rhetorisches Mittel

Barack ObamaDie Analogie ist ein besonders starkes rhetorisches Mittel. Sie erlaubt oft, einen Sachverhalt viel klarer darzustellen, als wenn man es direkt täte. Es braucht manchmal ein wenig Aufwand um eine gute Analogie zu finden. Wer sich aber die Zeit nimmt, ist im Vorteil. Hier ein Beispiel.

„Stellen Sie sich vor: Sie gehen zum Arzt, nein, besser, Sie gehen zu 100 Ärzten und 99 von ihnen stellen die Diagnose «Diabetes». 99 Ärzte sagen Ihnen also, Sie sind zuckerkrank und sollten daher keinen Speck und keine Donuts mehr essen. Was sagen Sie dann? Sie sagen: «Das ist eine Verschwörung! 99 Ärzte haben sich mit Obama zusammengesetzt und wollen mich davon abhalten Speck und Donuts zu essen!» [Pause] Das würden Sie so nie sagen! Genau so ist es mit dem Klimawandel …“

Die Worte stammen vom Ex-Präsidenten der USA, Barack Obama, der in seiner Rede die Stellung einiger Republikaner zum Klimawandel und zum Vertrag von Paris kritisiert. Die Analogie überzeugt und ist mit Humor vorgetragen. Das muss man sich im Original ansehen und anhören.

Hier geht es zum Video. (Es dauert weniger als 2 Minuten.)

Wie immer: Übung macht den Meister. Nur wenn Sie sich die Mühe machen, die Tipps umzusetzen, haben Sie die Chance, eine gute Rede zu halten.

Wenn Ihnen der Tipp gefällt, dann teilen Sie ihn doch einfach in den sozialen Medien wie Facebook, XING und Co.

Ein Leitfaden für Angehörigengespräche auf der Intensivstation

AngehörigengesprächeGespräche mit Patienten und Angehörigen auf der Intensivstation sind ein fester Bestandteil in der Betreuung eines kritisch kranken Patienten und eine grosse Herausforderung für das Behandlungsteam. Wenn der Patient nicht mehr in der Lage ist, seine Wünsche selbstständig zu äussern, ist es notwendig eine tragfähige Beziehung zu den Angehörigen aufzubauen, um den mutmasslichen Willen das Patienten zu eruieren. Nur durch den Aufbau einer belastbaren Beziehung, die auf Fachwissen, Ehrlichkeit und daraus folgendem Vertrauen beruht, ist das Betreuungsteam (medizinische Fachperson und Angehörige) in der Lage nachhaltig zufrieden stellende Entscheidungen zu treffen. Diese Gespräche dienen zur Vertrauensbildung, zur Information über die Erkrankung und legt Ziele fest. Die Fähigkeit solche Gespräche qualitativ hochwertig führen zu können, wird von Angehörigen genauso wichtig bewertet, wie das Beherrschen von medizinischen Massnahmen. Im folgenden ein Leitfaden für Angehörigengespräche auf der Intensivstation.

Voraussetzungen schaffen

Bestmögliche Voraussetzungen für ein gelungenes Gespräch zu schaffen, sind eminent wichtig.

Dies beginnt damit, dass das Behandlungsteam im Rahmen einer kritischen Erkrankung aktiv auf die Angehörigen zugeht und ein Angehörigengespräch anbietet. Dafür ist die Information des behandelnden Arztes über Unfall- und/oder Krankheitszeitpunkt, -mechanismus, Vorerkrankung oder besondere Lebensumstände unabdingbar. Das erste Gespräch sollte in den ersten 72 Stunden der Behandlung stattfinden. Der unbekannte Zustand des Patienten, der Inhalt des Gespräches und/oder das Erahnen einer schlechten Nachricht führt bei den Angehörigen zu Unsicherheit. Gleichermassen kann die gesprächsführende Fachperson mit der Situation, nun im Mittelpunkt zu stehen, Rede und Antwort stehen zu müssen und ggf. das Versagen der Therapie kommunizieren zu müssen, überfordert sein.

Einleitung

Angehörigengespräche sollten strukturiert und in angenehmer Atmosphäre ablaufen. Dazu gehört primär einen ausgemachten Termin auch einzuhalten, Störfaktoren während des Gespräches zu eliminieren (Telefone) und genügend Zeit einzuplanen. Zu Beginn begrüsst der Arzt alle Teilnehmenden und stellt alle mit Namen und Funktion vor. Ebenso sollten die Beziehungsverhältnisse zwischen den Angehörigen und dem Patienten bekannt sein. Familienfremde Zuhörer, wie Begleiter oder Freunde der Familie), dürfen nach Absprache aller Beteiligten daran teilnehmen.  Deren Funktion während des Gespräches sollte dem Gesprächsführenden bekannt sein.

Günstig ist es am Beginn das bis anhin Geschehene zusammenzufassen: Das Ziel hierbei ist, alle Beteiligte auf denselben Informationsstand zu bringen. Dadurch fällt es leichter weitere Interventionen, Behandlungsschritte und Prognosen zu erklären. Wichtig ist auch zu erwähnen welche Stationen (Rettungsdienst, Schockraum, Operationssaal usw.) der Patient schon durchlaufen hat, deren damals beabsichtigen Ziele und eingetretene Ergebnisse zu erklären. (z.B. „Um die Blutung im Bauch zu stoppen musste Ihr/e Angehörige/-r operiert werden. Aufgrund der mehrfachen Verletzung der Leber war dies im Operationssaal nicht möglich. Dies bedeutet, dass er morgen erneut operiert werden muss.“). Ausserdem ist es von grosser Bedeutung die Abgrenzung des aktuell informierenden Teams, wenn es darum geht, Fragen/Bemerkungen der Angehörigen betreffend Aktivitäten/Behandlungen der vorbehandelnden Teams zu klären. Denn in diesen Situationen kann/soll seitens des aktuellen Teams keine Stellung bezogen werden. Zur Klärung der offenen Fragen soll eine Gesprächskoordination zwischen vorbehandelnden Teams und den Angehörigen angeboten werden.

IST-Zustand

Anschliessend geht man auf die aktuelle Behandlung ein und erklärt den momentanen Zustand des Patienten. Idealerweise kann man hier schon die Angehörigen auf ein nicht alltägliches Bild des Patienten vorbereiten (künstliches Koma, Beatmungsschlauch im Mund, Infusionen und Medikamentenpumpen am Bett). Die Erklärung der weiteren Schritte in der Behandlung oder in der Diagnostik schliessen sich an.

An diesem Punkt muss der Gesprächsführende eine andere Ebene annehmen. Unter Kollegen kann der Arzt gewisse Voraussetzungen über Anatomie, Physiologie und Zusammenhänge erwarten. Nun sitzt er Angehörigen, medizinischen Laien, gegenüber, denen er komplexe Zusammenhänge verständlich erklären muss. Fachausdrücke, die im Alltag selbstverständlich sind, sollten vermieden werden, um die Verunsicherung der Angehörigen nicht zu fördern. Wenn das Behandlungsteam zweifelt, ob die Informationen richtig verstanden wurden, ist Nachfragen der einzige sinnvolle Weg.

Gedankenpause

An diesem Punkt sind Angehörige fürs Erste mit Informationen gesättigt und es bietet sich eine Gedankenpause an. Diese kann man ausfüllen, indem man die Angehörigen zu Wort kommen lässt. Einleitende Sätze wie: „Ich kenne Ihre/n Frau/ Mann nur in einem kritischen Zustand, was war sie/er für ein Mensch, was bedeutet für sie/ihn Lebensqualität“ eignen sich hervorragend um Zeit und Raum den Angehörigen zu überlassen. Wir wissen, dass je länger Angehörige Redezeit erhalten, desto zufriedener sind sie. Häufig enden diese Abschnitte mit der Frage der Prognose oder nach konkreten Handlungsschritten. Um hier einen professionellen Eindruck zu machen ist Fachwissen und ein Behandlungsplan unabdingbar. Bei einigen Erkrankungen (z.B. plötzlicher Herztod) gibt es Befunde und die Konstellationen, die auf einen ungünstigen Outcome hindeuten.

Die Erwartung der Angehörigen eine gute Prognose zu hören und zu erhoffen, sind in solchen Gesprächen häufig offensichtlich, dürfen aber durch das Behandlungsteam aus Unachtsamkeit oder Unerfahrenheit nicht gefördert werden. Die Aufnahmefähigkeit der Angehörigen ist in diesen Situationen eingeschränkt. Sie empfinden Wut, Kummer, besitzen Schuldgefühle und sind häufig getragen von einer Hoffnung, die nicht in Erfüllung gehen kann. Hier liegt es am Gesprächsführenden Emotionen aufzunehmen, falsche Hoffnungen nicht zu erfüllen und die Kernaussage mehrfach zu wiederholen. Es bietet sich an, denselben Sachverhalt in unterschiedlichen Wortlauten 3-4 x während des Gespräches zu wiederholen. Wichtig ist zu erkennen, dass gewisse Phrasen vermieden werden sollen. Zum Beispiel: „die Verletzungen sind mit dem Leben nicht zu vereinbaren“, wird bei eingeschränkter Aufnahme- und Beurteilungsfähigkeit mit Leben assoziiert, nicht mit dem Tod.

Abschluss

Am Ende wird ein primärer Ansprechpartner der Familie definiert, offen gebliebene Fragen geklärt, ggf. wird ein neuer Gesprächstermin vereinbart. Nicht zu vergessen sind Hilfsangebote an die Angehörigen selbst (Telefonnummern unter der sich die Angehörigen Tag und Nacht melden dürfen, Care Team). Darüber hinaus: Die Angehörigen schätzen es, wenn mehr als nur der Arzt in die Familienbetreuung involviert ist. Es bietet sich an, schriftliches Informationsmaterial bereitzustellen, pastorale Unterstützung zu akzeptieren oder eine psychologische Begleitung durch das Care Team zu ermöglichen. Die Kommunikation dieser Hilfen ist Aufgabe des Behandlungsteams.

Angehörigenbetreuung ist neben der medizinischen Aufgabe, Schwerstarbeit! Diese muss trainiert werden, damit Enttäuschungen auf beiden Seiten nicht zu schlechter Behandlungsqualität führen, denn zufriedene Angehörige verkürzen die Zeit des Patienten auf der Intensivstation. Ein Umstand, der angestrebt werden sollte.

Gastbeitrag von Dr. med. Frank Hillgärtner, Oberarzt Interdisziplinäre Intensivstation, Kantonsspital Graubünden, Chur

Quellen

The intensive Care unit family meeting: Making it happen
Elizabeth B. Gay et al.
J Crit Care. 2009 Dec; 24(4): 629.e1–629.12.

Multidisciplinary team training to enhance family communication in the ICU.
Shaw DJ1, Davidson JE, Smilde RI, Sondoozi T, Agan D
Crit Care Med. 2014 Feb;42(2):265-71. doi: 10.1097/CCM.0b013e3182a26ea5.

Family experience with intensive care unit care: association of self-reported family conferences and family satisfaction.
Kodali S1, Stametz RA2, Bengier AC2, Clarke DN2, Layon AJ3, Darer JD2.
J Crit Care. 2014 Aug;29(4):641-4. doi: 10.1016/j.jcrc.2014.03.012. Epub 2014 Mar 21.