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Dr. Gerhard Schröder, Alt-Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland: Ein Plädoyer für „mehr Europa“

Gerhard-Schröder-SIAF-III-small-1Universität Zürich, KOL-G-201, 20. April 2016, 18:30 – 19:15 Uhr. Organisiert vom Schweizerischen Institut für Auslandforschung SIAF.

Titel des Referats: Politik in einer Welt der Widersprüche

Wenn ein berühmter Politiker kommt, dann kommen auch die Zuschauer. Bereits eine Stunde vor der Veranstaltung mussten sich diejenigen in die Warteschlange einreihen, die dem Vortrag von Dr. Gerhard Schröder live lauschen wollten.

Gerhard Schröder hat für „mehr Europa“ plädiert. Nur gemeinsame Lösungen führen zum Erfolg. Dem Alleingang eines Landes wird kein Erfolg beschieden sein. Daher ist er für mehr Integration in der EU. 3 Grundsätze gelte es für den Erfolg zu beachten: (1) Solidarität: Es geht nur gemeinsam. (2) Sicherheit: Der Schengenraum soll verteidigt werden. Die Flüchtlingsströme müssen begrenzt werden. (3) Stabilität: Sie muss auch in den Herkunftsländern der Flüchtlinge geschaffen werden. Außerdem gelte es die Türkei und Russland einzubinden. Ohne die beiden gehe es nicht.

Gerhard Schröder begrüßt das Publikum

Gerhard Schröder begrüßt das Publikum

Thema dieses Blog-Beitrags: “Wie war der Auftritt von Dr. Gerhard Schröder aus rhetorischer Sicht?”

Positiv sind mir aufgefallen (An dieser Stelle nur 3 Punkte):

  • Humor als Einstieg: Gerhard Schröder hat es gleich in den ersten 2 Minuten geschafft, das Publikum 2 Mal zum Lachen zu bringen. Und zwar mit einer spontanen Reaktion auf die Bemerkung des Moderators. (Er sei nicht promoviert. Zum Glück, denn so kann er sich eine Plagiatsuntersuchung sparen. Seine Doktortitel habe er ehrenhalber erhalten. Das sei gut, denn dann brauche man auch nichts dafür zu tun.)
  • Kurze prägnante Sätze: Beispiele: Der Alleingang geht nicht. Die Herausforderungen für Europa sind immens. Krisen sind überwindbar. Nichts ist unveränderbar. Integration ist ein Segen für Europa. Die Flüchtlingspolitik hatte viel Herz, aber keinen Plan.
  • Frei gesprochen: Zu Beginn und mittendrin hat er frei gesprochen. Da ist er zu Höchstleistungen aufgelaufen: Blickkontakt, Energie, alles da. (Beispielsweise als er von einem Artikel in einer Schweizer Zeitung gesprochen hat, die er auf dem Hinflug gelesen hat.)

Mögliche Verbesserung / Ideen:

Gerhard Schröder SIAF small

Gerhard Schröder haltet eine Rede

Es gibt m.E. wenig zu verbessern. Wenn dann nur auf sehr hohem Niveau.

  • Ablesen: Bitte so wenig wie möglich ablesen. So wie an den Stellen, die er spontan eingeflochten hat.
  • Energie: Ich habe Gerhard Schröder vor vielen Jahren an einem Auftritt bei der Schweizerischen Post in Basel live erlebt. Dort war er dynamischer. Das hat mir noch besser gefallen.
  • Visualisierung: Es gab einige Aufzählungen. Vermutlich hätte es dem einen oder anderen geholfen den Überblick zu behalten, wären die Schlüsselworte auf einer Folie visualisiert worden.

Fazit:

Ein Referat mit klarer Stellungnahme für und Bekenntnis zu Europa. Insbesondere die unvorbereiteten, spontanen Stellen waren besonders beeindruckend.

Auf der Skala von 1 (zu Hause bleiben) bis 10 (Weltmeister): 9

Skipwith-Radar

Neben den genannten Stärken und Schwächen gibt es noch mehr Aspekte, welche zur Beurteilung der Rhetorik und Präsentationstechnik betrachtet werden können. Diese sind im Skipwith-Radar zusammengefasst. Der Skipwith-Radar erlaubt die Präsentation im Detail zu analysieren. (Mehr Infos gibt’s gratis auf www.thomas-skipwith.com)

Skipwith Radar Axel Weber UBS

Der Skipwith-Radar analysiert das Referat von Axel A. Weber

 

Axel A. Weber liest ab

Prof. Dr. Dr. h.c. Axel A. Weber: Globale Wirtschaft in der Schuldenfalle?

Axel A. Weber: Globale Wirtschaft in der Schuldenfalle?Universität Zürich, KOL-G-201, 23. Februar 2016, 18:33 – 19:15 Uhr. Organisiert vom Schweizerischen Institut für Auslandforschung SIAF.

Das Interesse war gross: die Aula war mit fast 300 Personen voll besetzt, wie auch die Emporen und zusätzliche Räume mit der Live-Übertragung. Alle wollten hören wie es um die globale Wirtschaft und deren Zukunftsaussichten steht. Von einem Mann der schon Jahrzehnte in vielen Chargen Erfahrungen dazu gesammelt hat: Prof. Dr. Dr. h.c. Axel A. Weber, Präsident des Verwaltungsrates der UBS.

Wie üblich hat der Präsident des Vorstands des SIAF Dr. Dr. h.c. Martin Meyer humorvoll und souverän anmoderiert. Insbesondere ist mir positiv aufgefallen wie er auf das Fragezeichen im Titel aufmerksam gemacht hat mit der sinngemässen Bemerkung: „Das Fragezeichen im Titel lässt wenigstens noch ein bisschen Hoffnung zu.“ Entsprechend hat das Publikum mit einem Lachen reagiert.

Axel A. Weber mit seltener Gestik

Axel A. Weber mit seltener Gestik

Axel Weber hat dargelegt, dass die Frage im Titel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Ja zu beantworten ist: Die globale Wirtschaft ist in der Schuldenfalle. Ausserdem sind die Modelle, welche das Wirtschaftswachstum schätzen, veraltet und deshalb häufig zu optimistisch. Den Schätzungsmodellen fehlen zwei wesentlich Faktoren: Die Verschuldung und die demographische Entwicklung. Weder der eine noch der andere Faktor bewegt sich nur noch wie ein langsamer Gletscher. Wenn die Schulden nicht abgebaut und die Systeme nicht an die zunehmende Alterung der Gesellschaft angepasst werden, wird die Weltwirtschaft nicht wieder in Fahrt kommen. Zum Schluss hat Axel Weber darauf aufmerksam gemacht, dass die Politik den schwierigen Seilakt zwischen höherem Pensionsalter, tieferen Renten und höheren Beiträgen zu bewältigen hat. Andernfalls die Gesellschaften nicht aus der Schuldenfalle kommen.

Thema dieses Blog-Beitrags: “Wie war der Auftritt von Axel A. Weber, Präsident des Verwaltungsrates der UBS, aus rhetorischer Sicht?”

Positiv sind mir aufgefallen (und noch vieles mehr):

  • Axel A. Weber hat eine einfache Struktur für sein Referat gewählt: Einleitung, 2 Hauptpunkte, Ausblick.
  • Eloquenz: Er hat eloquent gesprochen mit nur wenigen Patzern.
  • Bezüge: Er hat viele Bezüge gemacht, z.B. zum Film „Groundhog Day“, zu Martin Meyer, zu Christoph Blocher.

Mögliche Verbesserungen / Ideen:

Axel A. Weber liest ab

Axel A. Weber liest ab.

  • Blickkontakt / Ablesen: Axel A. Weber hat über weite Strecken abgelesen. Schade. Glücklicherweise hat er zwischendurch auch wieder zum Blickkontakt mit dem Publikum gefunden. Mehr davon, bitte.
  • Wortwahl: Viele Sätze haben mit „Ich möchte …“ begonnen. Beispielsweise: „Ich möchte beginnen …“, „Ich möchte darüber reden …“. Stattdessen empfehle den Indikativ oder das Futur zu benutzen: „Ich beginne mit …“, „Ich werde darüber sprechen, dass …“.
  • Gestik: Gestik hält viele Zuschauer eher wach. Leider gab es nur ein paar wenige Stellen an denen Axel Weber gestikuliert hat. Auch hiervon, bitte mehr.

Fazit:

Ein Referat, welches inhaltlich vermutlich die Erwartungen vieler bestätigt hat. Trotzdem: Es hat bestimmt zu Diskussionen angeregt und wird es sicherlich weiterhin tun. Rhetorisch solide, aber nicht aussergewöhnlich. Insbesondere Gestik und Blickkontakt können verbessert werden.

Auf der Skala von 1 (zu Hause bleiben) bis 10 (Weltmeister): 8

Skipwith-Radar

Neben den genannten Stärken und Schwächen gibt es noch mehr Aspekte, welche zur Beurteilung der Rhetorik und Präsentationstechnik betrachtet werden können. Diese sind im Skipwith-Radar zusammengefasst. Der Skipwith-Radar erlaubt die Präsentation im Detail zu analysieren. (Mehr Infos gibt’s auf www.thomas-skipwith.com)

Skipwith Radar Axel Weber UBS

Der Skipwith-Radar analysiert das Referat von Axel A. Weber

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger am Rednerpult

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger: Wie bereite ich mich für eine Rede vor?

Bern, Politforum Käfigturm, 2. Sept. 2013. Referat “Wie bereite ich mich für eine Rede vor?”  Ein Referat im Rahmen des Rhetorik Club Bern.

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger ist der Einladung des Rhetorik Club Bern gefolgt, eine Rede über das Reden zu halten. Vor vollem Saal im Käfigturm in Bern hat er den Zuschauern aus seinem reichen Erfahrungsschatz als politischer Redner wertvolle Grundzüge der Rhetorik mitgegeben. Die Zuschauer sind aus der ganzen Schweiz aus den verschiedenen Rhetorik-Clubs angereist. Er hat seine Rede mit persönlichen Erfahrungen und Bonmots gespickt. Seine reiche Erfahrung aus dem Parlament als National- und Bundesrat hat er geschickt einfliessen lassen.

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger am Rednerpult

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger am Rednerpult

Moritz Leuenberger hat über weite Strecken frisch von der Leber weg gesprochen. Sein Manuskript war zwar ausführlich (A4 mit ganzen Sätzen), doch er hat es diskret eingesetzt, so dass der Blickkontakt und der Dialog mit dem Publikum nicht zu kurz kamen. Einzig gleich zu Beginn war schade, dass er schon nach der Begrüssung ein erstes Mal seinen Blick senkte um auf seine Notizen zu schauen.

Moritz Leuenberger liest vom Manuskript ab

Moritz Leuenberger liest vom Manuskript ab

Seines Erachtens muss bei einer Rede die Priorität auf dem Inhalt liegen. Dabei hat er mit vielen Beispielen eine Tour d’Horizon von Martin Luther King bis Manfred Schröder gemacht. Stegreifreden seien nichts für den verantwortungsvollen Redner. Denn jede Rede soll mindestens kurz durchdacht sein. Z.B. beim Attentat in Zug hatte er nur zwei Stunden zur Vorbereitung seiner Rede. In dieser hat er telefonisch Kontakt mit einem Psychiater und mehreren Freunden aufgenommen, um die richtigen Worte zu finden. Oder als Bundesrat wurde er natürlich regelmässig von Journalisten mit dem Mikrofon bestürmt. Dabei hat er sich regelmässig geweigert, sofort zu antworten. Auf diese Weise vermeidet er Fehlschüsse und kann Gedanken wenigstens einen Moment lang reifen lassen. Nur so kann insbesondere ein Politiker verantwortungsvoll antworten, immer im Hinblick darauf, dass das was er sagt, in die ganze Nation ausgestrahlt wird.

Ein Auszug aus dem Manuskript von Moritz Leuenberger

Ein Auszug aus dem Manuskript von Moritz Leuenberger

Moritz Leuenberger hat beispielhaft vorgemacht, wie man eine Rede vorbereiten und dann aber auch halten soll. Er empfiehlt zuerst die Systematik (ähnlich wie ein Inhaltsverzeichnis) zu erstellen, so dass die grossen Schritte definiert sind. Ganz im Sinne des Primats des Inhalts. Im zweiten Schritt erst soll man sich um weniger entscheidende Dinge wie die Einleitung und humorvolle Einschübe kümmern.

Je nach Publikum und deren Erwartungen und Bedürnisse muss der Inhalt gestalt

Das Publikum lauscht den Ausführungen von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger

Das Publikum lauscht den Ausführungen von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger

et werden. Es macht einen Unterschied, ob ein Publikum feindlich, freundlich, skeptisch, offen oder verschlossen ist. Oder braucht das Publikum Trost?

Alt-Bundesrat Leuenberger hat auf zwei Arten von Reden aufmerksam gemacht:

  1. Die Übersetzungshilfe: ein Redner “übersetzt” für das Publikum einen Sachverhalt
  2. Die eigene Meinung vertreten

Sein Vergleich mit dem Theater war meines Erachtens sehr passend: Es gibt auch als Redner Elemente zu beachten wie das Publikum, die Bühne, die Dramatik, technische Hilfsmittel (z.B. Grossleinwand, Hellraumprojektor) etc..

Die Stärken von Moritz Leuenberger in diesem Vortrag waren meines Erachtens:

Moritz Leuenberger lässt seinen linken Arm teilnahmslos hängen

Moritz Leuenberger lässt seinen linken Arm teilnahmslos hängenSeine Kritik an Rhetorik-Kursen, an denen er gemäss eigener Aussage noch nie teilgenommen hat. Dadurch verliert die Kritik an Glaubwürdigkeit.

  • Die humorvollen Einschübe und Geschichten
  • Seine persönlichen Erlebnisse als Redner und Politiker
  • Seine Recherche über den Rhetorik Club Bern und Toastmasters
  • Wasser predigen und Wasser trinken: Er hat nicht nur empfohlen die Rede so zu schliessen wie sie begonnen wurden, sondern hat es auch gleich selbst gemacht.
  • Dialog mit dem Publikum über Blickkontakt und Bonmots

Aus meiner Sicht gab es folgendes Verbesserungspotential:

  • Sein linker Arm hing teilweise teilnahmslos auf der Seite. Dadurch verlor der körperliche Ausdruck an Dynamik.
  • Sein Abgang von der Bühne darf dynamischer sein. Aus meiner Sicht eher wie ein scheues Reh als einer, der selbstbewusst sagt: “Doch, das ist gut gelaufen. Ich bin stolz.”

Toll, dass sich Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger die Zeit genommen hat, sich für den Rhetorik Club Bern als Redner zur Verfügung zu stellen und seine ganz persönlichen Tipps und Tricks zu teilen. Ein bereichernder Vortrag. M.E. hat es sich gelohnt. Gerne wieder.

Benedikt Weibel

Benedikt Weibel: Mir nach, Marsch!

Schaffhausen, Haus der Wirtschaft, 03. Mai 2013. Referat “Erfolgreich führen mit Verstand und Herz”.  Ein Referat über Führung auf Einladung des Fördervereins der HFW Schaffhausen.

Der Förderverein der HFW Schaffhausen hat Benedikt Weibel zum Referat „Führen mit Herz und Verstand“ eingeladen. Vor ca. 150 Personen hat er ein engagiertes Referat gehalten, welches verschiedene Aspekte von Führung beleuchtet hat.

Benedikt Weibel: Im Hüftstütz mit Blick an die Decke

Benedikt Weibel: Im Hüftstütz mit Blick an die Decke

Nichts schöner als jemandem zu lauschen, der aus eigener Erfahrung berichten kann – privat wie auch geschäftlich. Beim Referenten Benedikt Weibel war dies der Fall: Er hat privat Erfahrung als Bergführer, geschäftlich als langjähriger Chef der Schweizerischen Bundesbahnen SBB (1993 – 2006). Gemäss Weibel hat man in schwierigen Situationen zwei Möglichkeiten: Entweder depressiv werden oder etwas machen. Er hat letzteres gewählt. Als er 1993 bei der SBB das Ruder übernahm, hatte das Unternehmen 39‘000 Mitarbeiter, 13 Jahre später noch 27‘000.  Eines seiner Erfolgsrezepte: Sogenannte Flächengespräche: persönliche Gespräche mit der ganzen Belegschaft im grossen Auditorium – Standort für Standort. Allein, nur mit einem Block und Bleistift ausgerüstet. Dies hat im erlaubt, in direkten Kontakt mit den Mitarbeitern zu treten und so persönlich von den Sorgen und Nöten der Leute zu hören. Nicht nur vom Hörensagen oder schlimmer: gar nicht.

Zusammenfassend haben Weibels Erfahrung und seine Recherchen drei Faktoren für erfolgreiche Führung ergeben:

  1. Sachverstand
  2. Leidenschaft
  3. Einfachheit

Aus rhetorischer Sicht gab es einige Leckerbissen für die Zuhörer.

+ Benedikt Weibel hat sein Referat voll gespickt mit Geschichten von Grössen aus der Geschichte, Wirtschaft, Politik und Philosophie.  Er hat eine Tour d’Horizon von Steve Jobs über Henry Ford bis zu Robespierre zum besten gegeben. Entsprechend anschaulich war das Referat.

+ Besonders in  Erinnerung bleiben wird mir die Erzählung der Expedition von Ernest Shackleton zum Südpol. Feinstes Kino im Kopf inkl. dem Vorlesen des Stelleninserats für die Suche nach den Reisebegleitern von Shackleton.

+ Der Bezug zu Büchern und anderen erfolgreichen Führungspersönlichkeiten hat dem Vortrag viel Glaubwürdigkeit verliehen.

Was hätte Benedikt Weibel besser machen können?

– Er bot seinem Publikum zu viele Zahlen: Einmal 5 Führungsgrundsätze , dann 7 Forschungsgebiete, dann 3 entscheidende Faktoren und obendrauf  viele Jahreszahlen. Empfehlung: Lieber weniger Zahlen oder mehr Orientierung.

Benedikt Weibel

Machen Sie eine typische Fussbewegung

– Die Fernseh-Quizsendung “Was bin ich?” mit Robert Lembke hatte eine Standardfrage: „Machen Sie eine typische Handbewegung.“ Daraufhin sollten die Kandidaten den Beruf des Gastes erraten. (Heiteres Berufe raten.) Benedikt Weibel hat analog zur typischen Handbewegung eine typische Fussbewegung: Er streckt den rechten Fussballen in die Luft. (In den ersten 8 Minuten 20 Mal!) Siehe Foto. Empfehlung: Den Fuss auf dem Boden lassen. Einen festen Stand einnehmen.

– Die Körpersprache könnte ausserdem optimiert werden, würde er weniger oft an die Decke schauen und nicht die Hände hinter dem Rücken verschränken. Letzteres hat mich zu oft an die Zeit im Militärdienst erinnert.  (Obwohl natürlich auch dort das Thema Führung von entscheidender Bedeutung ist.)

Insgesamt ein lohnender Vortrag von einem, der es selbst erlebt hat.

Note von 1 (zu Hause bleiben) – 10 (Weltmeister): 8.5.

Sicherlich ein bereichernder Vortrag. M.E. hat es sich gelohnt. Weiter so.

Thomas Skipwith Rhetorikexperte

Thomas Skipwith Rhetorikexperte

P.S.:

Wie kann ich die 10 grössten Fehler beim Präsentieren vermeiden? Hier gibt es die Lösung.

Gratis. Und weitere Tipps & Tricks.

Didier Burkhalter am europa forum luzern

Didier Burkhalter: "Politik bedeutet: eine Perspektive für Junge schaffen!"

Luzern, KKL, Luzerner Saal, 22. April 2013. Referat “Herausforderungen und Spielräume der Schweiz im künftigen Europa”.  Ein Referat im Rahmen des europa forum luzern.

Didier Burkhalter: Vortrag am europa forum luzern

Didier Burkhalter: Vortrag am europa forum luzern

Das Europa Forum Luzern organisiert zwei mal im Jahr ein Forum mit interessanten Referaten zum Thema Schweiz und Europa. Auch diesmal kam das Publikum nicht zu kurz.  Didier Burkhalter, Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, EDA, hat einen gut strukturierten Vortrag vor schätzungsweise 800 Personen gehalten.

Didier Burkhalter hat die klassische Dreiteilung gewählt, inklusive Übersicht.

  1. Die EU ist kein Feindbild, sondern ein Partner: Der Bundesrat plant auf dem Weg der bilateralen Verhandlungen weiter zu schreiten.
  2. Die Schweiz ist keine krisenresistente Festung: Die Personenfreizügigkeit ist wichtig für alle Erwerbstätigen.
  3. Die Schweiz hat ein ureigenes Interesse die Stabilität von Europa zu unterstützen.

Er hat seine Argumente m.E. diplomatisch vorgetragen. Geschickt hat er auch Gegenargumente in seine Rede eingebaut. So ging er beispielsweise darauf ein, dass sich in der Schweizer Bevölkerung ein Unbehagen in Bezug auf die grosse Zuwanderung breitmacht.

Didier Burkhalter am europa forum luzern

Didier Burkhalter am europa forum luzern

Schön wie Didier Burkhalter im ersten Satz spontan gleich einen Bezug zum Vorredner Stefan Roth (Stadtpräsident von Luzern) gemacht hat. Das hat das Publikum gleich zum Lachen veranlasst. Und Lachen ist eine ausgezeichnete Möglichkeit den Draht zum Publikum zu finden. Dies ist ihm insgesamt 2 – 3 gelungen. Gerne hätte ich davon noch mehr gehabt.

Insgesamt hat mir (auch inhaltlich) gut gefallen, wie er die These “Politik bedeutet: eine Perspektive für Junge schaffen!” mehrmals wiederholt hat. Diese scheint mir in Anbetracht der hohen Arbeitslosigkeit in vielen europäischen Ländern besonders passend.

Schön war das Bild: “Die Schweiz ist keine Insel. Wir haben keine Zugbrücken, die wir einfach hochziehen können.” Ich wünsche mir noch mehr Sprachbilder. Beispiele: “Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen in der Beziehung mit der EU.” oder “Da müssen wir ab und zu in den sauren Apfel beissen.”

Der Schluss war m.E. lehrbuchmässig. Dider Burkhalter hat dem Publikum seine Vision mitgegeben und an das Wir-Gefühl appelliert.

  1. Er wünscht sich ein handlungsfähiges Europa und ein Europa der Vielfalt.
  2. Appell: “… mit der Schweiz, mit uns allen!”

Was hätte ich mir aus rhetorischer Sicht anders gewünscht?

Didier Burkhalter hat wiederholt den Warnfinger, manchmal sogar beide, hochgehalten. Stattdessen empfehle ich die komplette Hand zu benutzen. Insgesamt muss er für meinen Geschmack noch mehr Variation einbauen. Sowohl in der Körpersprache wie auch in der Stimme. Sonst fallen dem einen oder anderen schon mal die Augenlider zu, besonders den Teilnehmenden, die schon den ganzen Tag an Referaten teilgenommen haben.

Sicherlich ein bereichernder Vortrag. M.E. hat es sich gelohnt. Weiter so.

Jacqueline Hénard: Frankreich als nächstes Griechenland?

Zürich, Universität Zürich, 2. Oktober 2012. Referat “Frankreich aktuell – politische und wirtschaftliche Herausforderungen”.  Ein Referat im Rahmen der Reihe “Brennpunkte im Weltgeschehen” des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung SIAF.

Jacqueline Hénard - Referat "Frankreich aktuell"

Jacqueline Hénard – Referat “Frankreich aktuell” am SIAF

Jacqueline Hénard ist Journalistin und Publizistin aus Paris. Gebürtige Berlinerin. Leider hatte sie für das Publikum keine guten Nachrichten. Frankreich ist in einem schlechten Zustand. Offenbar klammern sich die Franzosen noch zu sehr an das Etikett “La Grande Nation”, obwohl das Land dramatische Probleme hat. Frau Hénard hat dies anhand von vielen Beispielen und Zahlen belegt. Beispielsweise hat das Land einen riesigen Schuldenberg von 1’800 Mrd. Schulden, was 89% des BIP entspricht. 750 Brennpunkte über das Land verteilt, häufig in den Banlieues, wo die Drogenhändler das Sagen haben. Die Arbeitslosigkeit ist so hoch, dass praktisch das einzige Einkommen in der Kriminalität und beim Staat liegt.

Interessanterweise herrscht ein grosser Sozialneid. Die Massen mögen nicht arbeiten. Die anderen sollen zahlen. Als nach der Ankündigung der Steuererhöhung auf 75% ein Reicher das Land Richtung Luxemburg verliess, war die Schlagzeile einer Zeitung: “Hau ab, Du reiches Schwein.” Ein Schuss ins eigene Bein.

Auf die Frage was es denn Positives über Frankreich zu berichten gebe, war die Antwort sinngemäss: Wenig bis nichts.

Diplomatisch ausgedrückt: Frankreich sei weder das Paradies noch die Hölle, aber auf dem Weg ins Fegefeuer der Globalisierung.

Jacqueline Hénard: Gespräch mit dem Moderator

Jacqueline Hénard: Gespräch mit dem Moderator

Vom rhetorischen Standpunkt aus gesehen, war das Referat wegen der flüssigen Sprache, der vielfältigen Wortwahl und den konkreten Details attraktiv zum Zuhören.

Was hätte Frau Hénard anders machen können? Ich hätte mir mehr Engagement, sichtbar in der Körpersprache, gewünscht. Meist waren die Arme leider verschränkt. Ausserdem wurde das Publikum nicht mit Blickkontakt verwöhnt, sowohl beim Referat selber, wie auch danach bei der Beantwortung der Fragen. Letztlich war beim Schlusssatz dem Publikum nicht klar, dass das der Schlusssatz war. Sie musste nachdoppeln mit “Und damit stehe ich ihnen für Fragen zur Verfügung.”

Insgesamt ein lohnender Vortrag, der leider ein sehr düsteres Bild von Frankreich gezeichnet hat. Die These hat Bestand: Frankreich wird das nächste Griechenland.

P.S.: Wer Tipps und Tricks für seine Vorträge und Präsentationen sucht, findet sie im Buch “Die packende betriebsinterne Präsentation” von Thomas Skipwith. Bereits in der 3. Auflage.

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